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Bahn kommt an AM nicht mehr vorbei

Additive Fertiungsverfahren bieten Vorteile, welche die Schienenfahrzeugindustrie angesichts ihrer typischen Fertigungsstruktur und der jahrzehntelangen Nutzungsdauer ihrer Produkte nicht ignoriern kann. Die Gründe dafür zeigt Bombardier-Manager André Bialoscek in seinem Keynote-Vortrag zur Eröffnung der 17. Rapid.Tech 3D in DE-Erfurt auf.

Seit Mai 2019 nutzt Bombardier Transportation an seinem Engineering- und Fertigungszentrum in DE-Hennigsdorf bei Berlin additive Technologien zur Produktion von Serienbauteilen für Schienenfahrzeugtypen wie Loks, Strassenbahnen, Regional- und Hochgeschwindigkeitszüge. André Bialoscek verantwortet am Standort als Head of Vehicle Physical Integration den Bereich der kundenspezifischen Gesamtfahrzeugintegration. So weiss der 34-jährige Ingenieur um die Vorteile einer schnellen Teilebereitstellung vor Ort und hat das Thema Additive Manufacturing (AM) bei Bombardier Transportation vorangetrieben. Wie das Unternehmen und die Schienenfahrzeugindustrie generell von AM profitieren, beleuchtet er in einem Keynote-Vortrag zur Eröffnung der 17. Rapid.Tech 3D am 5. Mai 2020 in der Messe Erfurt.

«Wir setzen auf drei Säulen und nutzen die Stärken von AM, um sowohl aus Prototypen zur Designvalidierung Serienbauteile entstehen zu lassen, als auch von Anfang an additiv zu denken und Teile für die Serienfertigung zu konstruieren. Das dritte Feld resultiert aus der Tatsache, dass Schienenfahrzeuge meist 40 bis 50 Jahre im Einsatz sind. Dafür braucht es Service, Ersatzteile sowie das Re-Engineering nicht mehr verfügbarer Teile. Bei alldem kann man mit AM zeit- und kostensparend ab Losgrösse 1 arbeiten. Die Schienenfahrzeugindustrie, die in vielen Fällen einer industriellen Fertigung mit Manufakturcharakter gleicht, kann somit auf mehreren Gebieten von additiver Fertigung profitieren», sagt der Ingenieur mit Masterabschluss in Maschinenbau und erneuerbare Energien. Eine besondere Herausforderung im Vergleich zu anderen Branchen sind die extrem hohen Brandschutzanforderungen in der Schienenfahrzeugindustrie. Um diese anspruchsvollen Normen auch unter 3D-Druck-Aspekten zu erfüllen, hat Bombardier Transportation nach einem passenden Drucktechnik-Anbieter gesucht und in Stratasys gefunden. «Wir können mit den Grossdruckern in reproduzierbarer Qualität grossformatige Bauteile aus dem Hochleistungs-Thermoplast ULTEM industriell fertigen und die Einhaltung der Rail-Norm EN45545-2 sicherstellen», betont André Bialoscek und verweist darauf, dass von Hennigsdorf aus Bombardier-Standorte europaweit mit additiv gefertigten Bauteilen für das Interieur und Exterieur von Zügen beliefert werden.

Neben der Technik investiert der Schienenfahrzeughersteller darüber hinaus in Wissen rund um den industriellen 3D-Druck. André Bialoscek baut dafür eine Engineering-Community auf, die Erkenntnisse und Erfahrungen rund um AM teilt und verfügbar macht. Auch seinen Vortrag auf der Rapid.Tech 3D sieht er in diesem Licht: «Ich freue mich auf interessante Gespräche mit Fachleuten anderer Branchen, auf neue Anregungen, Sichtweisen und Themenstellungen, die durch solche Kontakte entstehen.»
Additive Fertigung und Mobilität steht in mehreren Foren des Rapid.Tech 3D-Fachkongresses im Mittelpunkt, so in den Sessions Luftfahrt und Automobil & Mobilität. Branchenspezifische AM-Entwicklungen beleuchten ausserdem die Foren Medizin-, Zahn- & Orthopädietechnik sowie Werkzeug-, Modell- & Formenbau.

Der wachsenden Anwendungsbreite werden die Foren Basics in AM sowie Design und Neue Technologien gerecht. Fester Bestandteil des Kongressprogramms sind weiterhin die Foren Wissenschaft und Software/Prozesse/Konstruktion. 

Neben dem Fachkongress präsentieren Firmen und Forschungseinrichtungen in Fachausstellung und Sonderschau innovative Produkte und Technologien. Darüber hinaus bieten verschiedene Netzwerkformate Raum für direkten Ideenaustausch und das Anbahnen von Projekten.

Zur 2019er Veranstaltung waren 4500 Besucher aus 27 Ländern nach Erfurt gekommen, um den Fachkongress sowie die Präsentationen der 180 Aussteller aus zwölf Ländern zu erleben. 83 Prozent der Aussteller zeigten sich sehr zufrieden, beziehungsweise zufrieden mit ihrem Messeauftritt.   (msc)

Rapid.Tech 3D
Was: Aus der Rapid.Tech + FabCon 3.D ist auf dieses Jahr hin die Rapid.Tech 3D geworden. Die internationale Fachmesse und Fachkonferenz für additive Fertigung (AM) stellt eine der wichtigsten Informationsveranstaltungen zu AM im deutschsprachigen Raum dar. Mit einer inhaltlichen Profilschärfung und einem stärkeren Fokus auf den internationalen Fachkongress lädt die Rapid.Tech 3D am 5. bis 7. Mai 2020 AM-Anbieter und -Anwender in die Messe Erfurt ein. Die Rapid.Tech 3D richtet sich an Anwender und Entwickler generativer Fertigungstechnik.
Im internationalen Fachkongress präsentieren führende Wissenschaftler und Experten aus der Praxis die neuesten Erkenntnisse zum industriellen 3D-Druck. Im Messebereich präsentieren Firmen und Forschungseinrichtungen in der Fachausstellung aktuelle Produkte und Technologien. Die bietet weiterhin viel Raum für den gemeinsamen Ideenaustausch in Fachforen, an den Messeständen und zum Netzwerkabend.
Wann: 5. bis 7. Mai 2020, 9:00 bis 17:30 Uhr, Donnerstag 7. Mai bis 16:30 Uhr
Wo: DE-Erfurt
Ticketpreise vor Ort: Tageskarte Messe Euro 28.-; Dauerkarte Messe Euro 68.-; Kongress (inklusive Messe): Tagesticket Euro 505.- (bei Internetregistrierung: kostenfrei); Dauertickete Euro 825.- (bei Internetregistrierung: kostenfrei).
rapidtech-3d.com

 

André Bialoscek verantwortet bei Bombardier Transportation am Standort DE-Hennigsdorf bei Berlin als Head of Vehicle Physical Integration den Bereich der kundenspezifischen physischen Gesamtfahrzeugintegration (Bild: Bombardier Transportation)