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Stromverbrauch der Industrie wird bis 2050 steigen

Tom Kober auf dem Forschungsareal des PSI.
Bild: Paul Scherrer Institut/Markus Fischer

Forschende des Paul Scherrer Instituts in Villigen haben mit britischen Ökonomen Modelle entwickelt, die über den künftigen Energieverbrauch der Schweizer Industrie Auskunft geben. Demnach wird der Energieverbrauch bis 2050 stark steigen, während die CO2-Emissionen sinken.

Preissteigerungen bei Strom und Erdgas ziehen in der Schweizer Industrie erst nach fünf Jahren einen niedrigeren Verbrauch nach sich. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie von Forschenden des Paul Scherrer Instituts (PSI). Sie wurde gemeinsam mit Ökonomen des britischen Beratungsunternehmens Cambridge Econometrics erstellt. Laut einer Medienmitteilung des PSI wurde sie am Dienstag unter dem Titel «Swiss Industry: Price Elasticities and Demand Development for Electricity and Gas» veröffentlicht. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat das Projekt gefördert.

Die zeitliche Verzögerung nach einem Preissignal sei auf die Zeit zurückzuführen, die eine Anpassung von Produktionsabläufen und Verfahren oder für Investitionen in energieeffizientere Ausstattungen erfordert. Dabei zeigten sich Unterschiede zwischen einzelnen Branchen. So reagiert die Eisen- und Stahlindustrie am wenigsten auf Teuerungen. Dagegen senkten Industriezweige wie Nichtmetallische Mineralien sowie die Papier- und Zellstoffindustrie ihren Energieverbrauch infolge von Preissteigerungen deutlicher.

Die Daten dafür stammen aus dem Zeitraum von 1970 bis 2016. Auf ihrer Grundlage modellierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch verschiedene Zukunftsszenarien. Eines orientiert sich an der Schweizer Energiestrategie 2050, ein zweites an der Klimastrategie der Schweiz mit dem Netto-Null-Ziel für Treibhausgasemissionen für 2050.

Demnach werde sich trotz der Anstrengungen zur CO2-Minderung der Anteil des Industriesektors an den Gesamtemissionen der Schweiz erhöhen. Grund dafür sei, dass die Reduktion in anderen Sektoren wegen verstärkter Klimaschutzanstrengungen noch grösser ausfalle.

Insgesamt gehen die Forschenden von einer langfristigen Zunahme der Energiekosten aus. «In diesem Zusammenhang ist enorm wichtig, wie der Strom produziert wird», erklärt Tom Kober, Leiter der PSI-Forschungsgruppe Energiewirtschaft und einer der Hauptautoren der Studie. «Für eine wirksame Reduktion der Treibhausgasemissionen ist deshalb der rechtzeitige Ausbau erneuerbarer Energie notwendig.»